Homeoffice – nötig, aber lasst Euch keinen Quatsch erzählen!

Seid ehrlich. Homeoffice bedeutet nicht zwangsläufig, in einem schicken Coworking-Space-Loft eine Latte Macchiato neben sich stehend seiner Arbeit nachzugehen. Homeoffice bedeutet in der Coronakrise für die meisten ganz unromantisch Arbeiten in den eigenen vier Wänden. An alle Homeoffice-Neulinge: Das ist nicht immer lustig. Homeoffice kann grausam sein. Homeoffice kann die Hölle sein. Gerade die erste Zeit.

Wer sagt das?

Ich. Seit mittlerweile fast 20 Jahren arbeite ich überwiegend im Homeoffice, lebe in einer Beziehung, habe keine Kinder (zumindest nicht wissentlich) und schreibe diese Zeilen somit aus Sicht eines kinderlosen, in einer Beziehung lebenden unverheirateten Mannes. Je nachdem wie Ihr Euch aufgestellt habt, können und dürfen sich Eure ersten Homeoffice-Erfahrungen durchaus von meinen unterscheiden.

Sie ist weg weg. Und ich bin wieder allein, allein“

Homeoffice ist nichts für Feiglinge. Besonders in den ersten Tagen und Wochen galt es für mich jeden Morgen einen ersten kritischen Punkt zu überwinden. Und zwar den, wenn meine Lebensgefährtin zur Arbeit ging, hinter ihr die Wohnungstür krachend ins Schloss fiel und ich frisch geduscht wie die Hauskatze allein in der Wohnung zurückgelassen wurde. „ALLEIN!“ baumelte ein Schild bedrohlich über mir. Um mich herum dröhnende Stille. Schon allein damit kann nicht jeder umgehen.

Dein bester und einziger Freund: Du selbst.

Lasst es mich mal vorsichtig ausdrücken: Wenn ich richtig einsam sein wollte, hatte ich mich bislang im Baumarkt immer an den Infostand gestellt, aber nicht in die eigene Wohnung. Dir wird plötzlich klar: Mit dem Nachhall der ins Schloss gefallenen Wohnungstür gibt es keinen mehr, der mit Dir Quatsch macht. Keinen, der Dich aufmuntert, wenn Du nicht mehr weiterweißt und auch keinen, der Dich aus Deinem Alltag rausreißt, Dir auf die Schulter haut und sagt „Komm mit zur Kaffeemaschine, Du brauchst doch auch eine Pause“. Genius needs company!

Ich will meine Psychos zurück!

Wenn Ihr ins Kloster gehen würdet – wie lange würdet Ihr Euch ertragen? In der Firma erzählen sie Dir, dass es toll ist, konzentriert alleine an Projekten arbeiten zu können. Da mag was dran sein, aber wir Menschen sind soziale Wesen. Schafe, die von der Herde separiert werden, finden das im ersten Moment auch nicht brüllend komisch. Nur damit Ihr vorbereitet seid: Es wird unter Umständen der Moment kommen, an dem Ihr Euch die Psychos aus Eurer Abteilung zurückwünscht. Die gute Nachricht: das ist normal und legt sich wieder.

Mehr Freiheit = mehr Lebensqualität?

Sie erzählen Euch, dass es toll ist, wenn Ihr Eure Zeit frei einteilen könnt und nicht mehr ständig von Eurem Vorgesetzten beäugt werdet. Ja, mag sein. Aber Ihr werdet Euch nach ein paar Tagen unter Umständen dieses über Jahre aufgebaute Abhängigkeitsverhältnis zurückwünschen. Ihr wisst nämlich gar nicht, was das bedeutet: Freiheit. Und wie Ihr damit umgehen sollt. Wie auch, Ihr hattet sie ja bislang nicht. Eine wichtige prägende Erfahrung fürs ganze Leben.

Die bedrohlichste Zeit im Homeoffice…?

… ist dieses diffuse Zeitfenster von Arbeitsbeginn bis Feierabend, in dem es keine feste vorgegebene zeitliche Struktur gibt. Deshalb werdet Ihr anfänglich versuchen, alles an einem einzigen Tag zu erledigen. Völlig hirnrissig, denn Eure Arbeitswoche hat wie eh und je fünf Tage. Ich glaube, der Grund für dieses hektische Abarbeiten liegt in der Tatsache, dass der Schreibtisch in Eurer eigenen Wohnung steht. In den eigenen vier Wänden soll immer alles geordnet sein. Würde der Schreibtisch in der Arbeit stehen, wäret Ihr vielleicht gelassener.

Lifehack 1: „Was ist die eine Sache…?“

Neben einer festen zeitlichen Struktur und einer ausgeprägten Selbstdisziplin ist Fokussierung extrem wichtig, um nicht abzusaufen. Ich habe mir deshalb eine DIN A4-Vorlage erstellt auf der geschrieben steht: „Was ist die EINE Sache, die ich heute unbedingt erledigen muss?“. Und an dieser einen Aufgabe bleibe ich so lange dran, bis sie vollends erledigt ist. Dann kommt die nächste „eine Aufgabe“. Diese Vorgehensweise bringt viele Vorteile: Ihr seid fokussierter, das Arbeitsleben fühlt sich weniger überfordernd an, alles erscheint machbarer. Vor allem lasst Ihr Euch weniger ablenken durch Kleinigkeiten und fühlt Euch produktiver und ausgeglichener.

Lifehack 2: Schließt ab!

Trennt rechtzeitig beruflich und privat. Wenn Ihr in einem extra Zimmer von zuhause aus arbeitet, dann schließt „den Laden“ morgens auf und abends zu. Pünktlich um 09.00 Uhr auf, pünktlich um 18.00 Uhr zu (Zeiten frei wählbar). Arbeit ist Arbeit und privat ist privat und die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod nennt sich: LEBEN.

Lifehack 3: Euer Firmenlaptop ist kein Wanderpokal

Euer Notebook steht wie mit Superglue festgeklebt bei Euch im Arbeitszimmer. Und da bleibt es auch. Es steht auch nicht „mal eben schnell“ auf dem Küchentisch. Es liegt auch nicht aufgeklappt vor Euch auf dem Schoß, wenn Ihr am Feierabend netflixt – es bleibt im Arbeitszimmer. Dies ist ein Arbeitsgerät.

Nicht jeder ist so cool.

Werbelegende, Unternehmer und Blogger Thomas Koch würde wahrscheinlich herzlich lachen, wenn er meinen Blog lesen würde. Er hat vor ein paar Tagen bei Facebook gepostet: „Ich lese hier überall superschlaue Tipps für Home-Office-Neulinge. Dann wollt ihr meine (immerhin 8 Jahre Erfahrung) bestimmt auch hören: Aufstehen (wie immer), duschen (wie immer), rasieren! (wie immer), Hose anziehen (wie immer, sehr wichtig!), frühstücken (wie immer), für ausreichende Mengen Kaffee sorgen. Dann arbeiten. Eigentlich ganz einfach…“. Jaja.

Mein persönlicher Tipp

Wenn Ihr Homeoffice-Neuling seid, dann zieht Euch Tipps rein, die Euch bei der Umstellung helfen. Eines werdet Ihr in jedem Fall brauchen: Geduld. Man muss sich wirklich erst daran gewöhnen. Und solltet Ihr an Eure Grenzen kommen und angesichts der Arbeitsfülle und der ungewohnten freien Zeiteinteilung rotieren wie ein Brummkreisel, dann verzeiht Euch. Wir sind Menschen und keine Robots und am nächsten Homeoffice-Tag kann´s schon wieder ganz anders aussehen. Good luck!

VOM MITARBEITER ZUM FAN in Krisenzeiten. Mitarbeitermotivation, Mitarbeiterbindung und Führung während und nach turbulenten Zeiten. Impulse, die gut tun.