14 Mrz 2016
Drei Profi-Tipps für begeisternde Präsentationen

Alles ist Präsentation! Das Telefonat, das Verkaufsgespräch, das Meeting. Nichts ist stärker als eine vehement vorgetragene und vorgelebte Überzeugung. Präsentationen leben von Provokationen, Emotionen und der Erkenntnis, dass auch hier nur derjenige erfolgreich sein wird, der ein paar simple handwerkliche Grundregeln berücksichtigt.

01. Die wertvollste Währung der Welt: Aufmerksamkeit

Nach einem meiner öffentlichen Vorträge begann der Zeitungsartikel tags darauf mit einem für mich äußerst irritierenden Satz: „Paul Johannes Baumgartner sprang auf die Bühne und rief ins Publikum ‚Geht´s Ihnen gut?‘ – wohlwissend, dass er darauf keine Antwort dafür aber Aufmerksamkeit bekommen würde“. Ich war verwundert, als ich das las, denn meiner Meinung nach hätte es weitaus wichtigere Aspekte gegeben, über die zu berichten sich mehr gelohnt hätte. Als sich meine Enttäuschung soweit gelegt hatte, spürte ich jedoch, wie viel Weisheit in den Worten des Journalisten lag, denn bei Präsentationen geht es in der Tat nur um eines: Aufmerksamkeit.

 

Aufmerksamkeit ist eine wertvolle Währung, die man nicht einfach mal so eben geschenkt bekommt. Nicht umsonst heißt es im Englischen „To pay attention“. Aufmerksamkeit will teuer erkauft werden. Wenn ich meine Zuhörer verliere, werden meine Botschaften bedeutungslos.

 

Wenn Sie also eine Präsentation konzipieren, stellen Sie sich selbstkritisch bei jeder Folie und jedem zentralen Gedanken die Frage: Ist das relevant oder kann das weg? Und wenn Sie befürchten, dass Sie Ihre Redenszeit nicht voll ausschöpfen, sprich Ihr Vortrag „zu kurz“ wird? Meine Antwort kennen Sie: Die besten Präsentationen sind immer die kürzesten.

 

02. Ihre Zuhörer „kaufen“ nie Ihren Vortrag, sondern immer den Titel Ihres Vortrags

Ich bleibe dabei: Ob Ihr Vortrag überhaupt jemanden interessiert oder nicht, hängt nicht von den Inhalten ab, sondern vom Vortragstitel. Langweiliger Vortragstitel – geringes Interesse, spannender Vortragstitel – großes Interesse. Ähnlich wie beim Zeitunglesen: Sie lesen erst die Schlagzeile und entscheiden daraufhin, ob Sie sich auf den Artikel einlassen.

 

Hand aufs Herz, fänden Sie diese Vortragstitel prickelnd?

 

  • „Bayer AG – Chancen und Risiken in der Markenkommunikation im Social Media“
  • „Radeberger – Kulturveränderung bei Prozessoptimierung“
  • „BMW: Die Digitalisierung in der Automobilbranche – Chancen und Risiken“

 

Wesentlich neugieriger machen doch:

 

  • „Bayer AG – Warum bei uns jeder Mitarbeiter auf Facebook was posten darf“ (Nebenbei erwähnt: Bayer hat weltweit 100.000 Mitarbeiter!)
  • „Radeberger: Kulturveränderung bei Prozessoptimierung – was würde Aschenputtel tun?“
  • „BMW: Die Digitalisierung in der Automobilbranche – und was das alles mit dem Saustall auf Ihrem Schreibtisch zu tun hat“

 

Mein damaliger Chefredakteur bei der Deggendorfer Zeitung (Passauer Neue Presse) hatte mir immer eingebläut: Erst die Schlagzeile schreiben, dann erst kommt der Artikel dran. Dasselbe gilt für Ihre Präsentation.

03. Eine Präsentation ist der kleine Bruder des Kinofilms

Es braucht eine Heerschar an kreativen Köpfen, um ein qualitativ hochwertiges Drehbuch für einen Kinofilm zu erstellen. Dauer des Kinofilms: 90 Minuten. Dauer des Drehbuchschreibens: bis zu drei Jahre. Wie lange „schreiben“ Sie an Ihrer Präsentation? In der Regel ist es doch so: Eine Führungskraft darf bei der alljährlichen Vertriebsveranstaltung eine Präsentation halten. Das fällt ihr erstaunlicherweise erst ungefähr 12 Stunden vorher ein und so beginnt sie hektisch, nachts im Hotelzimmer des Tagungshotels ein paar bereits bestehende Folien zusammenzuschieben. Formfleisch, Klebeschinken auf Powerpointbasis. Dazu vielleicht doch noch ein verstaubtes Zitat von Aristoteles („Wie Aristoteles früher schon einmal sagte…“) und kurz vor Mitternacht klappt sie zufrieden den Notebookdeckel zu, sagt „Das reicht schon“ und beruhigt sich mit dem Gedanken „Ist ja nur eine Präsentation“.

 

In der Regel entstehen so diese stinkenden dampfenden Informationswalzen, von denen sich die Zuhörer das für sie Wichtige schon rauspicken werden. Nein, es ist eben nicht „nur eine Präsentation“. Es ist die einmalige Chance, mit einem einzigen gelungenen Auftritt 150 Personen gleichzeitig zu emotionalisieren und zu gewinnen. Müsste die Führungskraft jeden einzelnen Teilnehmer persönlich von ihrer Idee überzeugen, wäre das in Summe ein Mammutakt und würde wesentlich mehr Anstrengung erfordern.

 

Meine Empfehlung: Beginnen Sie drei Wochen vor Ihrem Auftritt mit der Erstellung Ihrer Präsentation. Legen Sie als erstes den Titel Ihres Vortrags fest und machen Sie sich erst dann an die Inhalte. Entwickeln Sie eine richtige Dramaturgie, d. h. wie gehen Sie rein in die Präsentation, was ist die Kernaussage Ihres Vortrags und wie sieht ein prägnanter Ausstieg aus? Und bevor Sie wieder einmal zu viele Zahlen, Daten und Fakten reinpacken, denken Sie immer dran: „Menschen werden vergessen, was Sie gesagt haben, aber sie werden sich immer daran erinnern, welches Gefühl Sie ihnen gegeben haben.“ (Schauspieler Warren Beatty)

Steht demnächst eine wichtige Präsentation auf dem Programm? In meinem neuen Präsentationsseminar gibt es unkonventionelle, sofort umsetzbare praktische Tipps und Kniffe für selbstbewusstes, motivierendes und strukturiertes Präsentieren. Lernen Sie, SMART Ihr Unternehmen, Ihre Produkte und Dienstleistungen und sich selbst zu präsentieren.